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Redaktioneller,
privater Inhalt:
Chinesischer Wacholder
(Juniperus chinensis):
Steckbrief
des chinesischen
Wacholders: Der chinesische Wacholder ist eine
relativ groß werdende Baumart mit ausladendem Habitus und
schuppenförmiger Belaubung (gelegentlich können auch
benadelte
Triebe auftreten, meist als Stressreaktion z. B. bei
Stickstoffüberdüngung), es existieren aber auch
strauchförmig,
kriechend wachsende Formen. Die Art gilt eigentlich als
zweihäusig,
es kommen aber auch gelegentlich einhäusige Exemplare vor,
eine
Besonderheit die jedoch für die Bonsaikultivierung eher
nachrangig
ist.
Der chinesische Wacholder ist in
Ostasien weit verbreitet und besiedelt oft bergige, auch
küstennahe
Regionen mit überwiegend steinigen Böden und kann
dabei ein hohes
Alter von mehreren hundert Jahren erreichen. Diese Art zeigt
zahlreiche Varietäten bzw. Typen wobei die Varietät Juniperus
chinensis var. sargentii in Japan besonders für
Bonsai
favorisiert wird und dort im Norden auch heimisch ist. Es ist in
Japan für die Varietät "sargentii" auch der
Oberbegriff „Shimpaku bzw. Shinpaku“ gebräuchlich,
der aber oft keine exakte botanische Varietätenabgrenzung
bedeutet,
sondern sich eher auf besonders für Bonsai geeignetes Material
bezieht. Dieser sogenannte „Shimpaku“ zeigt kurze,
oft stärker
gewundene Stämme und ist kompaktwüchsiger als die
Stammform, auch
hier gibt es zahlreiche attraktive Standortvarietäten, z. B.
Kishu
oder Itoigawa mit zusätzlich besonders attraktiver
frischgüner
Laubfärbung. Der chinesische Wacholder gilt allgemein als
robust,
sehr frosthart und anpassungsfähig sofern der Standort
genügend
Licht bietet.
Der
chinesische Wacholder zur
Kultivierung und Gestaltung als Bonsai:
Standort:
Der
chinesische
Wacholder benötigt einen möglichst hellen / sonnigen
Standort
ganzjährig im Freien. Lediglich bei sehr starker Sommerhitze
kann
vorübergehend eine leichte Schattierung vorteilhaft sein, wenn
genügend gewässert wird ist dies aber nicht
nötig.
Überwinterung:
Der chinesische
Wacholder zeigt sich besonders frosthart und benötigt bei mir
keinerlei Schutz und kann sogar winters auf der Abstellbank im Freien
verbleiben. Manche Varietäten können bei
stärkerer Frosteinwirkung
eine in bräunliche Töne umschlagende
Laubfärbung aufweisen, dies
ist aber normal, im Frühling kehrt dann die
ursprüngliche Färbung
zurück.
Substrat:
Als Substrat bietet
sich ein mineralisches Gemisch aus z. B. Lavagranulat und Akadama an,
der chinesische Wacholder verträgt keine Staunässe,
es muss daher
immer auf eine gute Drainage geachtet werden!
Der
chinesische Wacholder kann sehr gut
im späten Frühling, sogar bis Anfang Juni getopft
werden, in dieser
Zeit funktioniert die Regeneration des Wurzelwerks besonders gut.
Grundsätzlich sollte das Wurzelwerk umsichtig und
zurückhaltend
beschnitten werden, die Schnittverträglichkeit der Wurzeln ist
hier
eher mittelmässig.
Wenn zu
einem frühen Zeitpunkt
umgetopft wird gilt es den Baum vor Spätfrösten zu
schüzen denn der
sonst so frostharte Wacholder wird nach dem Umtopfen (mit
Wurzelschnitt) hier vorübergehend sehr empfindlich, ebenso ist
nach
dem Verpflanzen auf einen windgeschützten, eher schattigen
Stand zu
achten, auch hier ist für etwa 2 Wochen die volle Sonne
ausnahmsweise nicht zu empfehlen.
Düngung:
Es eignen sich
durchaus -unter Verwendung von überwiegend mineralischem
Substrat-
praktisch alle gängigen organischen Bonsaidünger,
ebenso organische
Volldünger aus dem Gartenfachhandel, wobei die Bedarfsmenge
als
mittel zu bezeichnen ist, Wacholder können bei zu starker
Düngung
nadelförmiges Stresslaub entwickeln, von einer starken
mineralischen, insbesondere stickstoffbetonten Düngung ist
daher
eher abzuraten.
Wässern:
Der Wacholder sollte
zwar regelmässig gewässert werden, in der kompakten
Bonsaischale
kann der Wacholder gut gedüngt sogar recht durstig werden,
vorübergehend trockenere Phasen werden aber auch recht gut
vertragen, der Wacholder darf jedoch niemals austrocknen, bei
starkwüchsigen Exemplaren ist zudem etwaig entstehende
Ballentrockenheit durch gelegentliches Tauchen abzustellen. Der
chinesische Wacholder muss nicht unbedingt mit Regenwasser gegossen
werden, auch mittelhartes Gießwasser ist geeignet da diese
Art recht
gut sowohl auf einen eher neutralen PH-Wert als auch gerne etwas
kalkhaltiges Wasser gut anspricht.
Schädlinge
/ Krankheiten:
Es
sind bei mir noch nie Krankheiten oder Ungezieferbefall an Wacholdern
aufgetreten, diese Art ist allgemein sehr robust. Leider sind einige
Varietäten gegenüber Birnengitterrost
anfällig, dies ist ein kaum zu bekämpfender
Pilzbefall der sich dauerhaft im Holz des Wacholders einnistet und zu
unschönen
Verdickungen und orangefarbenen
„Ausblühungen“ der Sporenlager
im Frühling führt: Nach dem Austritt der Pilzsporen
werden dann als Zwischenwirte
Birnbäume besiedelt, dies zeigt sich dort durch
auffällige
orangefarbene Flecken auf der Belaubung aus denen dann im
Spätsommer mittels Sporenbildung bzw. Sporenflug, von dort aus
wiederum Wacholder befallen werden.
Glücklicherweise zeigen sich erfahrungsgemäss die
Shimpaku-Varianten des chinesischen Wacholder kaum anfällig,
ebenso
eine Reihe von Sorten die hierzulande im Gartenfachhandel angeboten
werden. Vermutlich ist der Wacholder als Bonsai allgemein nicht so
stark gefährdet da die Pflege hier, durch die offen gehaltenen
Laubpolster, weniger Angriffsfläche bietet im Vergleich zu den
deutlich dichter wachsenden Bäumen die frei ausgepflanzt
schlecht
durchlüftete „Laubballen“ mit innen
reichlich abgestorbenen
Bereichen entwickeln, die nur wenig Licht und Luft in das Innere des
Baumes vordringen lassen.
Der
strukturelle Aufbau als Bonsai
kommt der Gesundheit des Wacholders übrigens sehr entgegen,
denn die
übliche Gestaltung mit Leerräumen zwischen den
Astetagen lässt
viel Licht und Luft in das Bauminnere vordringen was einer Reihe von
Erkrankungen, besonders Pilz- und Rostbefall, vorbeugt, wie schon beschrieben.
Gestaltung:
Der
chinesische
Wacholder bietet viele interessante natürliche Wuchsformen die
an
jüngerem Material durch drahten und biegen noch
verstärkt
werden
können, alte Stämme und Äste lassen sich
kaum noch
biegen, hier
müssen dann die vorhandenen Formen, die aber oft schon von
Natur
aus
attraktiv sein können, akzeptiert werden. Da der chinesische
Wacholder sehr hartes Holz entwickelt ist dieser geradezu
prädestiniert um mit Totholzbereichen gestalterisch bearbeitet
zu
werden. Allerdings sollte das zu erhaltende Totholz ein gewisses
Alter erreicht haben um dauerhaft am Baum zu verbleiben und
zusätzlich gegen Rottung mittels Jin-Mittel (Schwefel-Kalk)
behandelt werden. Totholzbereiche die aus ausreichend altem Holz
gebildet wurden können viele Jahrzehnte am Baum
überdauern!
Zur
Erzielung von dichten Laubpolstern
kann beschnitten werden, jedoch gilt es speziell bei Wacholdern mit
schuppenförmigem Laub folgendes zu beachten: Wenn in mehreren
Durchgängen über die Vegetationsphase pinziert und
beschnitten
wird, kann dies zu einer starken Schwächung des Baumes
führen! Die
Terminaltriebe sowie die Sekundärtriebe, meist gut erkennbar
am
spitz zulaufenden, starken Zuwachs sind wahre
„Kraftwerke“ der
Assimilation und es sollten daher beim Beschneiden nur die
primären
Triebe gekürzt werden um den Baum zum Ausweichen auf die
sekundären
Spitzentriebe zu lenken. Es werden also am Besten nur die
stärksten
Spitzen unter Erhalt der kleineren Nebentriebe eingekürzt, was
mit der Zeit von
selbst zu einem ausgeglicheneren Wachstum führt, von einem
„Schnelldurchgang“ mit Schneiden bei gleichzeitigem
Pinzieren ist
daher dringend
abzuraten. Grundsätzlich ist also nur ein einzelner des
beschriebenen Schnitte zu Beginn der Hauptwachstumsphase im
späten Frühling zu empfehlen,
lediglich sehr starkwüchsige Exemplare können dann im
Spätsommer
ein zweites mal überarbeitet werden.
Geschwächte
Bäume sollten zudem aus
diesem Grunde nicht durch Rückschnitte zusätzlich
beeinträchtigt
werden, hier gilt es abzuwarten bis sich wieder wüchsige
Triebspitzen zeigen um den Baum nicht in seiner Erholungsphase zu
stören, hier bestehen also wesentliche Unterschiede
gegenüber
sogenannten Verjüngungsschnitten an Laubgehölzen.
Wenn ältere,
grosse Bäume durch starke Reduktion / Rückschnitt
grundlegend
gestaltet werden, empfielt sich ebenso dringlich
die
verbliebenen vitalen Laubpartien inklusive aller noch erhaltenen
Spitzentriebe unbearbeitet zu lassen um die Regeneration des Baumes
nicht zu stören, dies gilt ebenso wenn mit starkem
Wurzelschnitt
umgetopft wurde. Der chinesische Wacholder treibt nicht aus dem alten
Holz aus, ebenso sind sehr starke Rückschnitte bedenklich bei
denen
nur noch wenige schwache Innentriebe erhalten bleiben, dies kann zur
Rücktrocknung und zum Verlust des Astes/Zweiges
führen, daher
sollte bei starken Einkürzungen nur so weit vorgegangen werden
wie
es die Vitalität der Rücktriebe erlaubt!
Werden hingegen sehr starkwüchsige, zu diesem Zeitpunkt bereits kräftig aufgedüngte Bäume, während des
Frühsommers deutlich eingekürzt, besteht anschliessend die Gefahr der
Juvenillaubbildung am folgenden Austrieb, diese ist durch nadelförmiges
Laub gekennzeichnet und nicht besonders attraktiv und sollte vermieden
werden. Es ist daher besser den Chinesischen Wacholder nicht zu spät im
Frühjahr grundlegend zu bearbeiten, besonders falls die Grünmasse
stärker reduzeirt werden soll und im Anschluss vorübergehend nur mässig
zu düngen.
Grundsätzlich
sind viele
Gestaltungsformen möglich, die frei aufrechte Form kommt aber
dem
Wacholder natürlicherweise besonders entgegen, ebenso die
Literatenform, falls ein eher schlanker und schön geformter
Stamm
vorliegt. Der Wacholder stellt zudem eine stilistische Ausnahme in
der Bonsaiwelt dar: Grundsätzlich wird allgemein bei Bonsai
grösster
Wert auf einen attraktiven Wurzelansatz (Nebari) gelegt, ebenso auf
eine möglichst gleichmässige Verjüngung des
Stammes: Dies ist
jedoch bei Wacholdern eher nachrangig und selbst berühmte
Exemplare
verfügen über kein nennenswertes Nebari und zeigen
zum Teil sogar
sehr starke inverse Verjüngungen der Stammlinie, was dem oft
stark
gewundenen Stamm mit reichlich Totholz geschuldet ist: Diese gegen
alle sonst üblichen Normen der Bonsai-Ästhetik
verstossenden Bäume
sind jedoch hier oft das Maß aller Dinge, trotz -oder gerade
wegen-
der rein formal eigentlich völlig
„unmöglichen“ Grundform.
Ausdrucksstarke Wacholder sind daher gestalterisch durchaus als eine Form der
Bonsai-Avantgard zu bezeichnen.
Tipp zur
Vermehrung: Wacholder lassen
sich meist recht unkompliziert durch Stecklinge vermehren, hierzu
habe ich im Monat Juni als Schnittzeitpunkt, beste Erfahrungen gemacht:
Zu diesem Zeitpunkt
ist die Vitalität am Höchsten und der
Bewurzelungserfolg
erstaunlich gut, zudem kann das gerade angefallene Schnittgut
verwertet werden, denn gerade die Triebspitzen sind für
Stecklingsvermehrungen erste Wahl. Auch wenn dies eher für
geduldige
Gärtner zu empfehlen ist, ist diese Methode zur Erziehung von
Shohin- und Mame-Materials aber gut geeignet, auch da am jungen
Material alle nur erdenklichen Formen durch Drahten erzielt werden
können. Sowohl schlanke Literatenformen als auch stark
gewundene,
komprimierte Formen sind innerhalb von etwa 10 Jahren durchaus
erzielbar.
Prädikat: Der bei
korrekter
Pflege allgemein robuste chinesische Wacholder ist eine der
beliebtesten Arten, wenn nicht sogar die beliebteste Art für
Bonsaigestaltungen. Die Langlebigkeit, die Möglichkeiten der
Totholzgestaltung sowie die relativ einfache Kultivierung haben
diesen Ruf gefestigt.
Ende des redaktionellen Teils
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